Antwort der Bundesarchitektenkammer zu Stuttgart 21


Die Architektenkammer hat schnell, aber nur vorläufig, auf mein Schreiben an den Präsidenten bezüglich „Stuttgart 21“ geantwortet.
Hier der Text:

Sehr geehrter Herr Ebel,
Herr Trommer hat sich zum Thema Stuttgart 21 in einem Interview wie folgt geäußert:
Für wie gefährdet sehen Sie so umstrittene Großprojekte wie Stuttgart 21 und welche Auswirkungen hätte Ihrer Meinung nach ein Stopp für das Ansehen des Berufsstands Architekt/Planer und welche für den (Architektur-)Standort Deutschland?

Die Nachrichten, die uns derzeit aus Stuttgart erreichen, sind besorgniserregend. Ganz offensichtlich kann hier keine Rede von einem optimalen Planungsprozess sein. Im November 1997 hat das Büro Ingenhoven, Overdiek, Kahlen und Partner in Zusammenarbeit mit Frei Otto (Stuttgart) den Realisierungswettbewerb für den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof „Stuttgart 21“ gewonnen. Und die Bagger sind erst jetzt – fast dreizehn Jahre später – angerückt.
In diesen vielen Jahren – eine halbe Generation! – ist es augenscheinlich nicht gelungen, die Stuttgarter Bevölkerung insgesamt auf diese Vorhaben einzustimmen. Haben die Bauherren und die Finanzierer ihr Projekt wirklich zügig vorangebracht? Zwar haben wir in Deutschland ein sehr mitwirkungsfreundliches Planungs- und Baurecht. Bei Projekten mit großer Änderungsintensität muss man aber ein darüber hinausgehendes Überzeugungs-Engagement betreiben.
Der Staat hat eine umfassende Informationspflicht, an der er rechtlich und politisch zu messen ist. Allerdings hat der mündige Bürger aber auch eine Mitverantwortung, diese Informationen aufzunehmen, zu bewerten und sich in Entscheidungsprozesse einzubringen. Wenn der Bauprozess begonnen hat ist es zu spät.
Ich sende Ihnen diesen Auszug vorab mit freundlichen Grüßen von Herrn Trommer.
Viele Grüße
Steffi Schober
—-
Steffi Schober * Büroleiterin
Tel: 030-263944-11, Fax: -13

Die Frage des unbekannten Interviewers an Herrn Trommer ist eine völlig andere, als diejenige, die ich gestellt hatte. Nun – abwarten.
Allerdings wird aus diesen Zeilen schon klar, wes Geistes Kind der Präsident ist: Ein Nachkömmling der Dynastie grenzenloses Wachstum und bedingungsvolle Vollbeschäftigung. Man kann es fast nicht mehr hören, dass eine gescheiterte Politik sich immer damit herauszureden versucht, die Ziele seien schlecht vermittelt worden, man müsse das Volk „mitnehmen“, man müsse das nachholen. Nein, nein, nein! Verschont uns mit eurer perfiden Propaganda. Wir können das alles selbst denken!
„Wenn der Bauprozess begonnen hat, ist es zu spät.“ Das werden wir mal sehen.

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